Freitag, 31. Oktober 2014

[Rezension] Sophia Bennett - #rausmitderdicken

Chicken House

Softcover (1.10.14): KLICK - 14,99  € - 416 Seiten
ebook: KLICK - 10,99 €
Altersangabe: 12-17 Jahre
Genre: Jugendbuch / Cybermobbing

Die Autorin:
Sophia Bennett, geboren 1966, gewann mit ihrem Debüt "Wie Zuckerwatte mit Silberfäden" den Times-Chicken-House-Schreibwettbewerb 2009. Schon mit 20 Jahren wollte sie Schriftstellerin werden, studierte aber zunächst Sprachen. Ihre großen Leidenschaften sind Kunst und Design, ihre vier Kinder, Modezeitschriften, Cappuccino, ihr Mann und ihr Beruf (vielleicht nicht unbedingt in dieser Reihenfolge). Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in London.





Inhalt:
Eigentlich wollten sie doch nur Spaß haben, als sie völlig durchgeknallt und verkleidet Popsongs singen und sich dabei mit ihrem Handy aufnehmen. Doch aus Spaß wird schnell ernst, als das Video ungewollt im Internet landet. Was zunächst als großer Erfolg beginnt, endet mit einer Einladung zu Killer Act. Von da an geraten die Dinge außer Kontrolle, denn die Macher wollen nicht alle der vier Mädels, denn eine fällt aus dem Rahmen und passt nicht dazu. Die Girls denken sich nichts dabei, doch bringen sie mit einer Entscheidung einen Stein ins Rollen, aus dem eine Lawine von Drohungen, Beleidigungen und Hass wird, so dass die Mädels bald nicht mehr wissen, wie sie das noch ertragen sollen.

Meine Meinung:
Nachdem ich den Covertext gelesen hatte, dachte ich, ok, ein Buch, das ein bisschen die negativen Seiten von Castingshows zeigt. Oder wie schnell man im Rampenlicht steht, wie es sich anfühlt, auf einmal ein Star zu sein. Doch eigentlich ist das mehr der Hintergrund. Denn darum geht es eigentlich nicht, es ist nur der Grund, warum die Geschichte so verläuft, wie sie in dem Buch geschildert wird. Vielmehr zeigt sie, wie aus ein, zwei unbedachten Handlungen etwas wird, das so schwer wiegt, dass es Menschen regelrecht zerstören kann.

Die größte Leidtragende der Geschichte ist wohl Sasha, auch wenn es vordergründig eher so aussieht, als wäre es Rose. Rose, die Dicke, die von ihren Freundinnen ausgestoßen wird, weil sie nicht so dünn ist wie sie. Und ich wette, dass viele genau nur das beim Lesen sehen werden und nicht Sasha, die eigentlich nur Rose hatte helfen wollen. Mir taten beide leid, denn beide wurden Opfer von Manipulationen und der Masse der Menschen, die einem Wahn hinterherläuft ohne zu hinterfragen. Die sich von Medien leiten lassen, ohne wirklich zu wissen, was geschehen ist. Die vor nichts zurückschrecken in ihrem selbstgepuschten Hass auf etwas, was ihnen präsentiert wird.

Ich hätte mich stundenlang aufregen können über diese angeblichen Medienmacher, die Geschichten so drehten, dass sie etwas ganz anderes zeigten, als das, was wirklich war. Die sogenannten Fans, die wie die Hyänen auf wehrlose Mädchen einhackten, weil sie sich nicht mal für fünf Minuten ihr Hirn eingeschaltet haben, um zu überlegen, ob wirklich alles so war. Und ich war zu Tränen betrübt über die Verzweiflung, die Mutlosigkeit, die Hilflosigkeit der Mädchen, die einfach aus dieser scheinbaren Endlosschleife nicht mehr herauskamen.

Ich fand es unglaublich, wie die Autorin genau das schilderte, was tagtäglich im Kleinen und Großen abläuft. Mobbing. Ob nun die Öffentlichkeit dahintersteht oder nicht ... es reicht, wenn einer ein Gerücht verbreitet und schon stürzen sich alle wie die Aasgeier darauf. Geleitet aus Sensationsgier und dem Machtgefühl, das es bereitet, einen eh schon am Boden liegenden aus dem Schutz einer Gruppe heraus noch einmal zu treten. Unter dem Deckmantel der Anonymität. Wie oft habe ich mir in dem Buch gewünscht, sie würden einmal innehalten und denken ... aber genau wie in der Realität, geschah es nie.

Fazit:
Dieses Buch ist für mich eine großartige Möglichkeit, gerade den Kids wieder einmal aufzuführen, wie schnell sich das Blatt drehen kann. Wer heute beliebt ist, ist das morgen nicht mit Sicherheit auch noch. Daher sollte man immer darüber nachdenken, was man macht, wen man verurteilt und ob Dinge wirklich so sind, wie sie scheinen. Und dafür hat die Autorin meiner Meinung nach eine großartige Geschichte gesponnen, die einfach mitreißt. Die einen zum Lächeln bringt über die Verrücktheit der Mädels, die einem zeigt, was Freundschaft wert ist und die einen zu Tränen rührt, weil es einfach weh tut, wie schnell alles vorbei sein kann und nur noch Traurigkeit und Mutlosigkeit herrscht. Absolut empfehlenswert!


Meine Wertung:






Kommentare:

  1. Guten Morgen :)

    Danke für's vorstellen. Ich finde in der heutigen Zeit nimmt das Thema Mobbing immer größeren Platz im Leben ein und die Sensibilisierung wird vernachlässigt. Mir gefällt das Cover und das der Titel als Hashtag dargestellt ist. Vielleicht lesen es sich auch ein paar jüngere Menschen durch, die selbst mobben oder Mobbingopfer sind. Es wäre gut, wenn einfach mal mehr Menschen ihren Verstand einschalten.

    Liebe Grüße,
    Tascha

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    1. Ja, wobei ich finde, dass hier sehr gesteuert wurde von Leuten, die dahinter stehen und ich persönlich fand, dass die vermeintlichen Mobber eigentlich die Opfer waren, denn wer Sasha ehrlich liest, der sieht, dass sie selbst total erschüttert ist, was hier passiert ... gerade das fand ich so gut ... weil sofort wieder geschrieen wird, Dicke werden gemobbt .. was vielleicht wirklich so initiiert wurde, jedoch die Schuldigen gar nicht die Schuldigen waren ... und damit selbst zu den Opfern wurden .. und das fand ich so hart ..

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  2. Hm, die die Mobben werden wahrscheinlich ohnehin so was nicht lesen und auch Mobbingopfer lesen sowas wahrscheinlich eher weniger.
    Denn wer will schon und sei es nur im Nachhinein mit solch schlimmen Situationen nochmals konfrontiert werden....

    Aber möglicherweise eine gute Schullektüre, wie ich finde um die Sache mal an einem Beispiel fest zu machen.

    LG..Karin..

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