Mittwoch, 22. Januar 2014

[Rezension] Franziska Moll - Was ich Dich träumen lasse

LOEWE

gebundene Ausgabe (20.1.14): KLICK - 14,99 € - 256 Seiten
ebook: KLICK - 11,99 €
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Genre: Jugendbuch / Liebe / Tod

Die Autorin:
Franziska Moll lebt mit ihren Zwillingsmädchen in einem kleinen idyllischen Dorf in der Nähe von Köln. Nachdem sie schon mit drogenabhängigen Jugendlichen gearbeitet hatte, entdeckte sie das Schreiben für sich, lernte an der Internationalen Filmschule alles, was sie für ein gutes Drehbuch wissen musste und entwickelte Sitcoms und Filmideen. Doch erst, als sie sich entschloss, nur noch Romane zu verfassen, hatte sie endlich ihren absoluten Traumberuf gefunden. Eigene Verluste inspirierten sie zu Was ich dich träumen lasse und bestärktem sie in der Hoffnung, dass aus jedem Schicksalsschlag auch etwas Gutes entstehen kann.



Inhalt:
"Dann ist er weg ... dann ist er wieder da". Ein paar Sekunden reichen, um Elena den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Ungläubig erlebt sie, was mit Rico geschieht. Der doch gerade noch da war. Und jetzt liegt er hier, im Krankenhaus, im Koma. Und Elena steht daneben. Regungslos. Sie sucht einen Weg zu ihm, durch die Stille hindurch. Was sie findet, ist eine Liste, die er schrieb. Irgendwann. Eine Top Ten der Dinge, die er machen möchte, "bevor er den Löffel abgibt". Doch dafür ist es zu spät, er liegt schon dort in diesem Krankenhaus. Und so begibt sich Elena auf die Reise, diese Dinge für ihn zu tun und um sich irgendwann auf dieser Reise vielleicht selbst wiederzufinden.

Meine Meinung:
Es ist ein Buch, das einem den Atem nimmt. Schon auf den ersten Seite. Man schlägt es auf und liest verwundert die ersten Seiten. Die so anders sind. Der Schreibstil ist so anders, so abwegig, dass man zuerst denkt, in diesem Stil kann man kein Buch lesen. Doch spätestens auf der dritten Seite hat man das irgendwie vergessen. Denn es zieht einen mit, es macht neugierig. Und es ist genau das, was dieses Buch braucht. Anders hätte es nicht geschrieben sein können.

Erinnert Euch an Euren tiefsten Schmerz. Keinen körperlichen. Seelischen. Verlust, Angst, Fassungslosigkeit. Erinnert Ihr Euch an das Gefühl, das dabei entsteht? So ein unendlich ohnmächtiges Gefühl, das einem die Luft zum Atmen nimmt, das so tief geht, dass man zu keiner Regung fähig ist, das einen einhüllt und man Angst hat darin zu ertrinken? Genau das verspürt man auch beim Lesen dieses Buches. Es ist Elenas Schmerz, so tief, dass sie ihn selbst gar nicht wahrnimmt. Aber der Leser. Er versteht ihn, kann ihn greifen und ist doch genau so ohnmächtig, wie Elena selbst.

Es ist eines dieser Bücher, die ganz leise sind. Die kommen, einen gar nichts wirklich böses erahnen lassen und dann absolut mitten rein treffen. Und die einen zurücklassen mit einem riesigen Gefühl der Leere. Eins dieser Bücher, nach denen man kein weiteres zur Hand nehmen kann, die einen noch Tage berühren und beschäftigen und die man wahrscheinlich lange nicht vergessen kann. Das geht mir nur bei einer handvoll Büchern so und dies ist definitiv eines davon.

Ein Zitat habe ich Euch mitgebracht. Worte, die so viel aussagen...:

"Alle meine mühsam sortierten Zellen pappten wieder zusammen. Ich war zu schwer, um Abstand zu wahren. Ich war zu schwach, um nicht an, nicht in, nicht um dich herum zu versinken."

Ich weiß nicht, wie viele Seiten ich stumm geweint habe, die Tränen, die Elena so fehlten. Ich habe mit Ihr gelebt, gelitten, gehofft. Fassungslos über das, was um sie herum geschieht, um die Gedankenlosigkeit der Menschen. In Kleinigkeiten, in Details. Und doch ergaben sie am Ende ein Ganzes. Es ist sehr schwer zu erklären, wenn man es nicht selbst liest, nicht fühlt. Es ist kein Buch für zwischendurch. Es ist ein Buch für ein paar Stunden, die man ihm schenken muss. Um zu verstehen, um zu fühlen. Zurück bleibt nur die Leere und die Traurigkeit und die Gewissheit, dass es wieder einmal ein Buch geschafft hat, bis ganz innen vorzudringen und dass es schwer werden wird, dieses Buch in diesem Jahr noch zu toppen.

In diesem Buch wird ein Lied immer wieder angesprochen - Still von Jupiter Jones. Ob ich dieses Lied jetzt jemals wieder hören kann, ohne dass mir die Tränen in die Augen schießen? Ich glaube nicht.

Fazit:
Es ist kein leichtes Buch, kein fröhliches Buch. Es lässt einen atemlos, fassungslos und unendlich traurig und leer zurück. Es ist ein Buch, das das innerste berührt, eine Tür öffnet und sich dort einen Platz nimmt, den es nicht mehr verlassen wird. Es ist eines dieser Bücher, an die man sich noch in Details in Jahren erinnern wird. Es ist eines dieser Bücher, die man einfach gelesen haben muss - in meinen Augen.

Meine Wertung:





Kommentare:

  1. Oh wow, was für eine Rezension. Ich bin immer wieder baff wie du die Worte findest. Danke!
    LG Beate

    AntwortenLöschen
  2. Ich mußte jetzt erst mal schlucken, als ich deine Rezi las. Wie du schreibst! Hast du evtl. deine Berufung zum Autor noch nicht gehört? Wahnsinn, echt toll, man merkt gleich worauf es ankommt und das Buch einem sagen will.
    Vielen Dank
    LG HANNE

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh vielen vielen Dank Hanne, das freut mich total. Nein, ich hätte keine Geduld ein Buch zu schreiben .. recherchieren, ausarbeiten und die Fantasie für eine ganze Geschichte fehlt mir total .. seit meiner Jugendzeit hab ich eine Geschichte im Kopf, doch ich kann sie nicht schreiben. Ich lese dann lieber und überlasse das Schreiben Menschen, die so was wie das Buch hier zustande bringen. Aber wenn ich sehr emotional von einem Buch betroffen bin, dann gelingen mir die Rezis meist recht gut und wenn das andere dann auch empfinden, freue ich mich sehr!

      Löschen
  3. Deine Rezension ist mal wieder so wunderschön geschrieben. Da will man das Buch sofort in die Hand nehmen und anfangen zu lesen. Auf der Wunschliste steht es schon, mal schauen wann ich es lesen werde :-)

    Liebe Grüße
    Vanessa

    AntwortenLöschen
  4. WOW :O
    Deine Rezi hat mir jetzt auch den Boden unter den Füßen weggezogen. Toll.
    Ein neues Buch für meine Wunschliste.
    Danke, dass Du es mit uns geteilt hast :)

    Liebe Grüße,
    Nalla

    AntwortenLöschen